16 Missverständnisse über Introvertierte

Ich bin Introvertiert! Das hat mir früher Probleme bereitet, aber heute bin ich ganz zufrieden damit. Ich habe gelernt, wie ich damit umgehen und mich verhalten muss.
Leider leben wir in einer Gesellschaft, in der es noch immer weit verbreitet ist, Introvertiertheit als Makel anzusehen.

Bei Lifehack.org habe ich eine Liste mit 15 Missverständnissen über introvertierte Menschen gefunden, die ich hier wiedergeben will:

  1. Introvertierte Menschen sind schüchtern.
    „Introvertiert“ und „schüchtern“ sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge. Und Introvertierte haben auch nicht unbedingt Angst vor Menschen. Sie reden nur nicht nur um des Redens Willen.
  2. Introvertierte Menschen sind nicht emotional.
    Introvertierte Menschen haben sehr wohl Gefühle. Sie zeigen sie nur nicht so deutlich wie andere Menschen. Aber nur weil sie ihre Gefühle nicht zeigen heißt das nicht, dass sie nicht interessiert oder nicht engagiert sind.
  3. Introvertierte Menschen arbeiten nicht gerne in Gruppen.
    Es ist richtig, dass Introvertierte meist am besten arbeiten, wenn sie alleine sind. In großen Gruppen und wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Meinung nicht gehört wird, neigen sie dazu sich zurückzuziehen. In kleinen Gruppen und wenn man ihnen zeigt, dass man ihre Meinung schätzt, tun sie sich durch besondere Leistungen hervor.
  4. Introvertierte Menschen reden nicht gerne.
    Introvertierte Menschen reden nicht gerne,nur um zu reden. Außerdem bevorzugen sie es, zuzuhören bevor sie reden. Introvertierte halten Small Talk für Zeitverschwendung. Wenn es aber um Themen geht, die ihnen wichtig sind, kann man mit ihnen sehr intensive Gespräche führen.
  5. Introvertierte Menschen haben Angst davor, anderen in die Augen zu sehen.
    Introvertierte werden weniger Augenkontakt suchen als Extrovertierte. Das liegt allerdings nicht daran, dass sie Angst haben. Bei ihnen ist nur die Menge der nötigen Blickkontakte geringer.
  6. Introvertierte Menschen sind schlechte Redner.
    Auch wenn Introvertierte weniger gerne vor großen Massen sprechen gibt es unter ihnen doch ebenso viele talentierte Redner, wie unter den Extrovertierten. Introvertierte Menschen neigen aber dazu ihrer Reden und Präsentationen besser vorzubereiten als „aus dem Bauch heraus“ zu sprechen.
  7. Introvertierte Menschen wollen alleine gelassen werden.
    Es ist richtig, dass Introvertierte Zeit alleine brauchen, um sich zu erholen und ihre „Batterien wieder aufzuladen“. Aber auch sie brauchen den Umgang mit anderen Menschen und genießen es, mit anderen zusammen zu sein.
  8. Introvertierte Menschen überanalysieren alles.
    Bevor introvertierte Menschen eine Entscheidung treffen neigen sie dazu, alle möglichen Szenarien zu durchdenken und zu analysieren. Manchmal führt das zu einer „Analyse-Lähmung“. Grundsätzlich ist dies aber eine positive Eigenschaft, denn sie erlaubt es den Introvertierten, sehr rationale Entscheidungen zu treffen.
  9. Introvertierte Menschen gehen nicht gerne in die Öffentlichkeit.
    Introvertierte mögen vielleicht keine überfüllten Orte mit vielen Menschen, aber sie genießen es sehr neue Orte und neue Dinge kennen zu lernen.
  10. Introvertierte Menschen sind neurotisch und nervös.
    Das Gegenteil ist der Fall. Introvertierte sind meist viel ausgeglichener als andere Menschen. Sie sind auch in stressigen Situationen in der Lage, objektiv zu denken und Entscheidungen zu treffen.
  11. Introvertierte Menschen sind weniger leistungsfähig.
    In der westlichen Gesellschaft wird der charismatische, umgängliche und mitteilsame, extrovertierte Anführer, der sich selbst und seine Leistungen in den Vordergrund spielt, bevorzugt. das bedeutet aber nicht, dass Introvertierte grundsätzlich weniger leisten. Sie sind nur zurückhaltender, wenn es um die Präsentation ihrer Leistungen geht.
  12. Introvertierte Menschen können „aus ihrem Schneckenhaus ausbrechen“ und extrovertiert werden.
    Introvertiertheit ist ein angeborener Charakterzug, der sich nicht verändern lässt.Es ist falsch anzunehmen, dass introvertierte Menschen ihre zurückhaltende und passive Art ablegen könnten (oder wollten).
  13. Mit Introvertierten kann man keinen Spaß haben.
    Introvertierte haben gerne Spaß. Aber sie bevorzugen eine ruhigere Umgebung. Sie haben nichts gegen Parties, aber sie sind lieber mit der kleinen Gruppe ihrer engsten Freunde zusammen.
  14. Introvertierte Menschen sind unhöflich.
    Dieses Vorurteil gibt es, weil Introvertierte ihre Gefühle nicht so offen zeigen, wie es Extrovertierte tun. Ihr manchmal wie versteinert wirkender Gesichtsausdruck wird manchmal als Ablehnung fehlinterpretiert, was ihnen dann als Unhöflichkeit ausgelegt wird.
  15. Introvertierte Menschen sind keine guten Anführer.
    Introvertierte können sehr gute, wenn auch ruhige Anführer sein. Besonders gut sind sie im Führen von extrovertierten Menschen, denn sie können gut zuhören und treten nicht in Wettbewerb mit ihnen.
  16. Extrovertierte Menschen sind glücklicher als introvertierte.
    das Glücksgefühl hängt nicht davon ab, ob man introvertiert oder extrovertiert ist. Tatsächlich gibt es unter den Extrovertierten ebenso viele unglückliche Menschen wie unter den Introvertierten.

Die meisten dieser Vorurteile kenne ich leider nur zu gut aus eigener Erfahrung. Ich kann aber auch bestätigen, dass keines davon richtig ist.

Ein Kommentar

  1. Total erstaunt habe ich das gelesen, Sie beschreiben haargenau meine 13jährige Tochter.Seit Jahren muss ich in den Schulen, vor Lehrern und Schulsozialarbeitern rechtfertigen, warum meine Tochter so ist, wie sie ist.
    Ich bin stolz auf meine Tochter, sie ist intelligent, lernen ist für sie einfach, sie hat ein super liebes einfühlsames Wesen, sie macht keinen Unfug in der Schule.Sie sitz dort ruhig und aufmerksam von Schulbeginn bis zum Schulschluss.Zu ihren Klassenkameraden hat die wenig Kontakt, weil sie in den Pausen, wie sie sagt, ihre Ruhe haben will.
    Ich verstehe ihr Verhalten, da ich das auch von ihrem Vater kenne.
    Dennoch werde ich regelmäßig zu Gesprächen in der Schule genötigt, weil meine Tochter ja „auffällig“ist.
    Warum kann man sie nicht so lassen, wie sie ist?
    Ich finde es sehr viel schlimmer für sie, dass alle immer versuchen, sie aus ihrem persönlichen Wohlfühl-Kokon zu ‚befreien“.
    Mit freundlichem Gruß

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