Zitat der Woche (KW08/2014)

Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.
Mahatma Gandhi (1869-1948; indischer Rechtsanwalt, Widerstandskämpfer, Morallehrer und Pazifist)

Wir alle kennen das: Alles um uns herum scheint immer schneller zu werden. Wir sollen stets erreichbar sein. Und immer mehr Arbeit soll in immer kürzerer Zeit geleistet werden.

Ein Beispiel:
Ich habe, beginnend Mitte der 1990er Jahre, einige Zeit Musikprogramm für einen Radiosender gemacht. Zu meinen Aufgaben gehörte es unter anderem, für fünf Tage pro Woche vier Stunden klassische Musik zusammen zu stellen. Als ich damit anfing, wurde noch mit Karteikarten gearbeitet und für die 20 Stunden Musik (5 Tage mal 4 Stunden) hatte ich dafür eine Woche Zeit. Knapp zehn Jahre später – inzwischen wurde mit Computern, Datenbanken und leistungsstarken digitalen Sendesystemen gearbeitet – durfte die gleiche Menge Arbeit nur noch zwei Tage dauern, also weniger als die Hälfte.
Inzwischen schaffen die Kollegen mit sogenannten Rotationssystemen, die Musikprogramme weitgehend selbstständig zusammenstellen, die gleiche Arbeit in einem Bruchteil der Zeit.

Natürlich hat die Einführung von Computern und Systemen zur Automatisierung auch positive Effekte. Sie nehmen uns an vielen Stellen langweilige, repetitive oder zeitaufwändige Arbeiten ab. Schon allein dadurch sorgen sie bei der Arbeit für eine gewisse Beschleunigung. Leider wird diese Beschleunigung oft als Selbstzweck und zur Kostenreduktion genutzt. Und natürlich ist es aus unternehmerischer Sicht gut, wenn ein Arbeiter in immer kürzerer Zeit immer mehr Arbeit erledigen kann. Das Stichwort Arbeitsverdichtung kommt mir dabei in den Sinn.
Allerdings bin ich mir sicher, dass ab einem bestimmten Punkt die Beschleunigung auf Kosten der Qualität geht. Und zwar wird sowohl die Qualität des Arbeitsergebnisses leiden als auch die Lebensqualität und die Arbeitszufriedenheit des Arbeiters.

Ich konnte selbst schon erleben, was passieren kann, wenn die Beschleunigung überhand nimmt und man das Gefühl hat, für die zugeteilte Arbeit nicht genug Zeit zu haben. Ab einem bestimmten Punkt ist man mit der eigenen Arbeit nicht mehr zufrieden, weil die Qualität nicht mehr stimmt, und muss einfach eine Pause machen. Und genau das ist der Punkt an dem man merkt, dass Beschleunigung und der Versuch, immer mehr in immer weniger Zeit zu schaffen, nicht zum Ziel führt. Es ist ebenso wichtig inne zu halten und einen Blick auf das zu werfen, was man getan hat und noch tun will.