Wir alle fürchten uns vor Ablehnung – der eine mehr, der andere weniger. Und das aus gutem Grund. Ablehnung verursacht bei uns Schmerzen. Mitunter fühlt sie sich an, wie ein Schlag in die Magengrube. Tatsächlich konnte in Studien nachgewiesen werden, dass durch Ablehnung die gleichen Bereiche im Gehirn aktiviert werden, wie durch physischen Schmerz. Dies ist nur bei Ablehnung der Fall! Andere negative Emotionen und Erfahrungen rufen diese Reaktionen im Gehirn nicht hervor.

Woher die Angst vor Ablehnung kommt

Der Grund für diese starke Reaktion auf die Ablehnung ist – wie so vieles andere auch – evolutionär bedingt. In einer feindlichen Umgebung war es für den Menschen (und auch seine Vorfahren) leichter zu überleben, wenn er in eine Gruppe eingebunden war. War man auf sich allein gestellt, fehlten Schutz vor Feinden und Unterstützung bei der Versorgung. Man wurde eher gefressen, ist verhungert oder erfroren. Der Schmerz, den wir beim Erleben von Ablehnung spüren, ist also ursprünglich ein Signal, das den Menschen vor dem drohenden Ausschluss aus der Gruppe warnen sollte. Menschen, denen es Schmerzen verursachte, aus einer Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, waren die besser angepassten Menschen und überlebten daher leichter.

Und auch wenn Ablehnung oder gar der Ausschluss aus einer Gruppe heute nicht mehr den sicheren Tod bedeuten, stellt unser Gehirn diesen Zusammenhang trotzdem noch immer her. Entsprechend empfinden wir Schmerz, wenn andere uns oder unsere Ideen zurückweisen. Dieser Schmerz ist von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt und die Toleranzgrenzen sind ebenfalls unterschiedlich. Wenn man einen Korb von seinem Schwarm erhält, ist der Schmerz geringer, als wenn man von seiner großen Liebe verlassen wird. Es tut aber in beiden Fällen weh.

Die Reaktion auf Ablehnung

Erfahren wir Ablehnung und Zurückweisung, so verursacht das bei uns starke und schmerzhafte Emotionen. Und es ist nur natürlich, dass Menschen sich bemühen, Dinge und Situationen zu vermeiden, die ihnen Schmerzen zufügen. Genau so lernen wir schon sehr früh, dass wir unsere Hand nicht zu lange in eine offene Flamme halten oder sie auf eine eingeschaltete Herdplatte legen sollen.

Allerdings führt dieser Mechanismus auch dazu, dass wir grundsätzlich Situationen vermeiden, in denen wir potenziell Ablehnung erfahren könnten. Im Extremfall führt das schließlich dazu, dass wir allen Situationen mit Konfliktpotenzial aus dem Weg gehen und davor zurückscheuen, unsere Ideen und Ansichten zu präsentieren oder durchzusetzen – alles aus der Angst heraus, von andere zurückgewiesen zu werden.

Mit der Zeit kann sich aus dieser Vermeidungshaltung eine Art psychischer Panzer entwickeln. Eigentlich soll er uns vor schmerzhaften Erfahrungen schützen, tatsächlich schränkt er uns aber in unseren Handlungen ein.

Dieser Panzer verhindert, dass wir offen auf andere Menschen zugehen, authentisch agieren und unsere Emotionen offen zeigen. Gleichzeitig werden wir immer stärker von der Meinung anderer abhängig. Es fällt uns schwer, Nein zu sagen, und die Angst, Fehler zu machen, steigt. Kurz gesagt: wir verlieren unser Selbstbewusstsein!

Die daraus entstehenden Ängste und Unsicherheiten strahlen wir auch aus. Je mehr wir uns zurückziehen, desto schüchterner, abweisender und unsympathischer wirken wir. Wir signalisieren anderen Menschen damit, dass sie uns in Ruhe lassen sollen. Die anderen denken dann, dass wir nichts mit ihnen zu tun haben wollen und lehnen uns ab. Es entsteht ein Teufelskreis, den wir kaum noch durchbrechen können.

Der Umgang mit Ablehnung

Es ist also nicht sinnvoll, mögliche Ablehnung zu vermeiden und Situationen, in denen wir Zurückweisung erfahren könnten, aus dem Weg zu gehen. Stattdessen müssen wir uns unsere Angst bewusst machen und den richtigen Umgang mit ihr und der Zurückweisung erlernen.

Mit Möglichkeiten zum Umgang mit Ablehnung habe ich mich hier schon einmal beschäftigt:
15 Wege zum Umgang mit Ablehnung

Die Angst vor Zurückweisung an sich bewältigt man am besten, indem man sich ihr aussetzt. Wenn ihr also das nächste Mal eine Situation auf euch zukommen seht, in der ihr möglicherweise Zurückweisung oder Ablehnung erfahren könnt, weicht ihr nicht aus. Macht euch eure Angst und ihre Entstehung bewusst. Diese Angst hat ursprünglich eine Schutzfunktion, die aber in dieser Situation keine Berechtigung mehr hat. Macht euch bewusst, dass sie ein Signal dafür ist, dass ihr euch geliebt und angenommen fühlen wollt.

Denkt daran, dass der drohende Schmerz ebenso wie die Zurückweisung keineswegs lebensbedrohend ist – die Wahrscheinlichkeit, dass man euch den Kopf abreißt, ist verschwindend gering. Außerdem ist die Ablehnung meist nicht persönlich gemeint. Denn was ein anderer tut, hat viel mehr mit ihm zu tun als mit uns. Damit verliert die Angst ihren lähmenden Charakter und wir gewinnen unsere Handlungsfreiheit zurück. Jetzt können wir aktiv werden und uns der Situation stellen.

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